Kolumne Magazin

Do what you love … leichter gesagt als getan?

Januar 18, 2021

Was machst Du beruflich? Das ist sie, die Frage, die auf der Kennenlern-Liste auf Platz zwei oder spätestens Platz drei steht. Sie folgt meistens direkt nach dem „Mein Name ist …- Part“. Wenn wir dann richtig cool sind, antworten wir mit Kinderärztin, Menschenrechtsanwältin oder Investigativ-Journalistin. Jobs, die spannend klingen und einen direkt interessanter wirken lassen. Denn Menschen mit solchen Jobs müssen ja dafür brennen. Sie sind die Vorbilder, die es geschafft haben, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Sie sind die, die ihre Berufung gefunden haben. Während wir einem Beruf oftmals aus Vernunftgründen nachgehen, beschreibt das Wort Berufung die Tätigkeit, die uns wirklich entspricht. Doch wie findet man diese Berufung?

Schon als Kind werden wir häufig gefragt, was wir mal werden wollen. Meine Antwort lautete lange Zeit „Tänzerin“. Das ist neben Schauspielerin, Feuerwehrmann, Astronautin oder Fußballer wahrscheinlich einer der Klassiker. Wir nannten damals eben das, was uns Spaß machte oder einfach die Jobs, denen unsere Helden in den Filmen nachgingen. Eben was mit Action und einem gewissen Coolness-Faktor.

Doch dann kommen wir in die Schule. Und anstelle von „ihr könnt alles werden, was ihr wollt“ tritt Ernüchterung. 

Denn dann lernen wir unseren Verstand kennen und vertrauen ihm plötzlich mehr als unserem Bauchgefühl. Und dieser sagte uns einmal zu oft klar und deutlich, dass unsere Vorstellungen vom rosaroten Ponyhof utopisch seien.

Also beginnen wir recht früh nach sicheren Alternativen zu suchen und wenn es ganz blöd läuft, landen wir schlussendlich in einem Job, der uns nicht erfüllt. In einer Studie der Manpower Group stellte man fest, dass 50 Prozent der angestellten Mitarbeiter in Deutschland unzufrieden sind mit ihrem Arbeitsplatz und sich nach einem Jobwechsel sehnen. Und das sind nicht nur all jene, die vermeintlich „langweilige“ Berufe ausüben. Nein, denn ein Beruf kann noch so viel Anerkennung und Geld mit sich bringen, wenn er einem nicht entspricht, macht auch Geld und Ruhm nicht glücklich. Und was dann? Damit abfinden oder etwas verändern?

Ich selbst wusste lange Zeit nicht wirklich wie ich all meine Interessensgebiete in einem Job vereinen soll, also lautete das Credo: Hauptsache erfolgreich. Mit was? Keine Ahnung! Es hat mich zwei Uni-Abschlüsse, Praktika, Jobs und eine vermasselte Unternehmensgründung gekostet, bis ich kapiert habe, dass ein Job sich nicht gut anhören, sondern gut anfühlen muss. Und das einzig und allein für einen selbst. Denn viel zu oft glauben wir, irgendetwas müsse so sein, weil andere das sagen, weil wir denken, wir hätten keine andere Wahl oder weil man ja vernünftig sein müsse. Über solche Denkmuster lohnt es sich nachzudenken. Fragt Euch nach Euren wirklichen Überzeugungen. Denn das finde ich ebenso wichtig: Der Sinn hinter dem, was wir tun.

Ich bin mir sicher jeder kennt Tätigkeiten, die das Herz höherschlagen lassen, einen erfüllen. Achtet auf die Hinweise. Was macht Euch wirklich Spaß? Und dann vertraut Euch selbst.

Ich weiß, ich weiß, so ein Prozess erscheint jetzt keineswegs leicht, aber das auch nur, wenn man daran glaubt, er wäre schwer. Denn wie Goethe schon sagte:

  • Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
  • Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
  • Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
  • Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
  • Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

Kurz gesagt, Gedanken werden zur Realität. Ich machte mir dieses Wissen vor etwa 1,5 Jahren zu Nutze und begann ganz anders an die Dinge heran zu gehen. Immer noch übe ich mich darin, mir vor Augen zu halten, dass einzig und allein wir selbst bestimmen, wie wir über gewisse Dinge denken. Ja, es war und ist ein stetiger Prozess. Aber ich klann mittlerweile behaupten, dass ich liebe, was ich tue und mir keinen besseren Beruf vorstellen könnte.

Kolumne von Pilar Hammerl Geschäftsführerin Tante Fine

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