{"id":1280,"date":"2020-10-26T17:21:00","date_gmt":"2020-10-26T16:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tantefine.de\/blog\/?p=1280"},"modified":"2021-04-26T12:53:12","modified_gmt":"2021-04-26T11:53:12","slug":"the-non-judging-breakfast-club","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tantefine.de\/blog\/kolumne\/the-non-judging-breakfast-club\/","title":{"rendered":"The Non-Judging Breakfast Club"},"content":{"rendered":"\n<p>Neulich geriet ich wieder in eine dieser herrlichen Unterhaltungen, in denen es darum ging, dass ich ja im Grunde inkonsequent sei.&nbsp;Das war es zumindest, was mein Gegen\u00fcber mir vermutlich gegen Ende des Gespr\u00e4chs am liebsten mit einem Post-it auf die Stirn geklebt h\u00e4tte.&nbsp;Hintergrund des Ganzen war die mir sehr wohl bekannte und sich in meinem Leben immer wiederholende Ern\u00e4hrungs-Handtaschen-Debatte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens wenn man mit mir Essen geht, kommt man nicht Drumherum sich nach dem Bestellvorgang nach meinen Essgewohnheiten zu erkundigen. Wenn ich wirklich \u201eEindruck\u201c schinden will, dann bestelle ich einfach Pasta.&nbsp;Genauso wie sie auf der Karte steht.&nbsp;Aber das ist die Ausnahme.&nbsp;Denn im Grunde klingen meine Bestellungen meistens irgendwie so: \u201eGibt es eine vegane Variante zu Gericht XY? Verwenden Sie Zucker in ihrem Dressing? Und gibt es das Ganze auch glutenfrei? Dann nehme DAS, aber ohne DAS, daf\u00fcr mit DEM. Vielen Dank \u2026\u201c Das d\u00fcrften alle Servicekr\u00e4fte \u201elieben\u201c und belustigt mindestens die H\u00e4lfte meines Bekanntenkreises. Aber ich stehe dazu. Ich vermeide gerne Zucker, wenn es geht, halte Gluten f\u00fcr nicht allzu gesund und ern\u00e4hre mich so pflanzlich wie m\u00f6glich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich selber w\u00fcrde das aber weder als kompliziert, anstrengend oder einschr\u00e4nkend bezeichnen. Ich mache das nicht um schlank zu bleiben oder um im Trend der \u201eHealthy-plant-based-community\u201c mitzuschwimmen. Sondern haupts\u00e4chlich f\u00fcr mein Wohlbefinden. Deshalb w\u00fcrde ich niemals jemanden verurteilen, der es mit seiner Ern\u00e4hrung anders h\u00e4lt oder aus eigenem Antrieb heraus, dieses Thema auf das Tapet bringen. Leben und leben lassen. Das sieht aber leider nicht jeder so. Denn obwohl pflanzliche Ern\u00e4hrung in den letzten Jahren einen regelrechten Aufschwung genoss, gibt es immer noch jene, die nur darauf warten, endlich ihren Senf dazu geben zu k\u00f6nnen. Die Fleischverfechter, die vermeintlichen Besserwisser, die Milch-Lobbyisten oder auch die \u201edurch und durch perfekten Veganer\u201c. Kurz gesagt: Die, die das Haar in der Suppe suchen und immer wieder finden werden. Denn eine Sache mache ich falsch. Ich hege eine gro\u00dfe Leidenschaft f\u00fcr Handtaschen. Und DAS ist, wie ich gelernt habe, ein NO-GO, wenn man sich pflanzlich ern\u00e4hrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konversationen starten immer mit denselben Fragen und Argumenten. Ich wei\u00df nicht, ob meine Diskussions-Partner dabei die Hoffnung hegen, mich doch nochmal bekehren zu k\u00f6nnen oder einfach nur ihr Gewissen beruhigen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn man wird wieder und wieder mit diesen herrlichen Allseits-Klassikern konfrontiert: \u201e<em>Warum sollte Fleisch essen nicht gesund sein? Immerhin h\u00e4tten Menschen ja schon IMMER Fleisch gegessen.<\/em> <em>Aber dir fehlen doch sicher einige N\u00e4hrstoffe, wo du ja nur Beilagen isst. Wir stehen nun mal in der Nahrungskette ganz oben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Antworten darauf rattere ich mittlerweile im Halbschlaf runter. Ich z\u00e4hle geduldig auf, dass wir Menschen fr\u00fcher so einiges getan haben, was sich mittlerweile als falsch erweist, gebe zu Bedenken, dass das Fleisch fr\u00fcher ein anderes war und z\u00e4hle pflanzliche Lebensmittel auf, die durchaus Eisen, Proteine und Kalzium beinhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das war es nat\u00fcrlich noch nicht. Denn jetzt wird es wirklich kritisch: \u201e<em>Wenn du dich vegan ern\u00e4hrst, warum tr\u00e4gst du dann SOLCHE Handtaschen?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Frage ist der Grund, warum ich das Wort \u201evegan\u201c kaum noch ausspreche. Lieber sage ich \u201epflanzlich\u201c und tue so, als w\u00fcrde ich das nur meiner Gesundheit zu liebe machen. Denn wer will sich heutzutage noch positionieren? W\u00fcrde ich behaupten, ich w\u00e4re kein Fan von Massentierhaltung \u2013 was im \u00dcbrigen der Wahrheit entspricht\u2013 w\u00fcrde ich als inkonsequente Heuchlerin abgestempelt werden und wer will das schon?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Spieglein, Spieglein an der Wand<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Beobachtung nach, sind es meistens die Menschen, die sich bisher wenig mit derartigen Themen besch\u00e4ftigt haben, die sich dann vermeintlich besser f\u00fchlen, wenn sie jene, die sich die richtigen Gedanken machen, auf ihre Fehler hinweisen k\u00f6nnen. Die Psychoanalyse verwendet hierf\u00fcr den Begriff der Projektion. Ein Abwehrmechanismus, bei dem wir unsere eigenen Konflikte im Vorgarten anderer abladen. Denn h\u00e4ufig reagieren wir mit Ablehnung, wenn ein anderer umsetzt, was wir uns nicht zutrauen oder aber gerne h\u00e4tten. Die Projektion beginnt in dem Moment, in dem wir vergessen, dass wir die Quelle dessen sind, was in unserem Leben passiert. Also schieben wir das ungute Gef\u00fchl lieber auf das Verhalten anderer. Und nicht selten bem\u00e4ngeln wir dabei Eigenschaften, die wir selber besitzen, aber eigentlich an uns ablehnen. Es ist doch h\u00e4ufig der Spiegel, in den wir nicht schauen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df, dass auch in meinem Handeln noch Luft nach oben ist. Aber zu denken, man m\u00fcsse erst gar nicht anfangen, wenn man nicht 100 Prozent konsequent sein kann, w\u00e4re f\u00fcr mich die falsche Denkweise. Denn auch die kleinen Schritte z\u00e4hlen. Jeder kann es. So, wie es f\u00fcr jeden mach- und umsetzbar ist. Und das sollte vielmehr gew\u00fcrdigt, als verurteilt werden. Meiner Meinung nach ist dies n\u00e4mlich der Grund, warum sich so viele erst gar nicht positionieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wer beschlie\u00dft Plastik in seinem Alltag zu reduzieren, hat gef\u00e4lligst nicht mit dem Flugzeug in den Urlaub zu fliegen. Vegane Ern\u00e4hrung ist nur beachtlich, wenn man auch sonst nur Leinen-Klamotten tr\u00e4gt und wer sich f\u00fcr nachhaltige Mode einsetzt, sollte Zuhause wirklich keinen Zentimeter M\u00fcll produzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist ein Unternehmen bestrebt, nachhaltiger und fairer zu agieren, wird dazu geraten, es ja nicht \u00f6ffentlich zu kommunizieren, sofern nicht alle Facetten der Wertsch\u00f6pfungskette perfektioniert wurden. Denn anstatt anzuerkennen, dass sich jemand M\u00fche gibt, wird nach Fehlern gesucht. Viel zu schnell wird einem Greenwashing unterstellt. An die Tatsache, dass ein Unternehmen vielleicht wirklich aus \u00dcberzeugung handelt, denkt schon keiner mehr. Es wird bewertet und verurteilt. Und das nicht wenig. Denn ja, sicherlich ist es einfacher, den Fehler im Handeln anderer zu suchen, als sich selbst zu reflektieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende meiner diskussionsgepr\u00e4gten Fr\u00fchst\u00fccks-Unterhaltung hielt ich mir selbst den Spiegel vor die Nase. Bin ich so tolerant und frei, wie ich es von anderen erwarte? Und ich musste feststellen, ich war es nicht. Zumindest ganz sicher nicht an diesem Morgen. Ich sch\u00e4tze dieser Text ist der lebende Beweis daf\u00fcr. Denn ich habe soeben flei\u00dfig meine Stempel verteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber jetzt Schluss damit. Es ist an uns zu entscheiden, wer wir sind, aber nicht, was ein anderer ist oder nicht. Denn nicht alles muss sofort in richtig oder falsch, gut oder schlecht eingeordnet werden. Jeder hat seinen eigenen Wertekompass und was f\u00fcr mich richtig erscheint, muss nicht f\u00fcr Jedermann stimmig sein. Wie gut kennen wir die Hintergr\u00fcnde der Anderen wirklich, dass wir uns das Recht rausnehmen sofort ein Urteil dar\u00fcber zu bilden?<\/p>\n\n\n\n<p>Behaltet diese Frage im Kopf, denn der n\u00e4chste Breakfast-Club wird kommen. Und uns gegenseitig verurteilen bringt niemanden weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Kolumne von <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/pilar_tantefine\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pilar Hammerl <\/a>&#8211; Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Tante Fine<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.tantefine.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Pilar_Kolumne-634x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1277\" width=\"161\" height=\"260\" srcset=\"https:\/\/www.tantefine.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Pilar_Kolumne-634x1024.jpg 634w, https:\/\/www.tantefine.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Pilar_Kolumne-186x300.jpg 186w, https:\/\/www.tantefine.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Pilar_Kolumne-768x1240.jpg 768w, https:\/\/www.tantefine.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Pilar_Kolumne-951x1536.jpg 951w, https:\/\/www.tantefine.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Pilar_Kolumne-1268x2048.jpg 1268w, https:\/\/www.tantefine.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Pilar_Kolumne-1080x1744.jpg 1080w, https:\/\/www.tantefine.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Pilar_Kolumne.jpg 1560w\" sizes=\"(max-width: 161px) 100vw, 161px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neulich geriet ich wieder in eine dieser herrlichen Unterhaltungen, in denen es darum ging, dass ich ja im Grunde inkonsequent sei.&nbsp;Das war es zumindest, was mein Gegen\u00fcber mir vermutlich gegen Ende des Gespr\u00e4chs am liebsten mit einem Post-it auf die Stirn geklebt h\u00e4tte.&nbsp;Hintergrund des Ganzen war die mir sehr wohl bekannte und sich in meinem Leben immer wiederholende Ern\u00e4hrungs-Handtaschen-Debatte.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1281,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8,10],"tags":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v15.9.2 - 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