„Was ich heute esse, verändert morgen die Welt“

Donnerstag, 21. Juni 2018 14:19:28 Europe/Berlin

Ein Interview mit Attila Hildmann

Attila Hildmann hat der veganen Küche eine völlig neue Ausrichtung sowie ein neues Image gegeben. Das Credo des 36-Jährigen: Vegane Ernährung schon an einem oder zwei Tagen pro Woche oder eine vegane Mahlzeit am Tag führt zu erheblichen Vorteilen für jeden.



Vor Jahren bekam man auf die Frage nach einem veganen Angebot meist nur fragende Blicke – inzwischen scheint es, dass das Wissen um die genaue Bedeutung von „vegan“ doch sehr verbreitet ist. Wie groß ist der Anteil von Attila Hildmann an dieser „Aufklärung“?
„Ich denke doch, gar nicht so gering. Immerhin wurden 1,6 Millionen vegane Koch-Bücher von mir in den letzten Jahren gekauft. Da hat sich eine Menge bewegt – selbst die große Fleischindustrie hat reagiert, bietet jetzt Fleisch-Alternativen an. Jeder kleine Schritt hilft – der persönlichen Gesundheit und dem verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen unserer Erde.“

War es irgendwann mal der Plan, zum „Star der veganen Küche“ aufzusteigen, oder hat sich das eher zufällig ergeben?
„Es war nie ein gestecktes Ziel, sondern hat sich seit meiner Abiturzeit nach und nach ergeben. Ich habe mir selbst das Kochen beigebracht, weil das Angebot für vegane Ernährung einfach nicht existent war. Wenn zu einer Studentenfeier vegane Cupcakes mitgebracht habe, wollten alle das Rezept haben. Irgendwann habe ich neben dem Physikstudium die Rezepte aufgeschrieben, meine ersten drei Bücher gar noch selbstverlegt.“

Auslöser für die persönliche Ernährungsumstellung war der Tod Ihres Vaters, der einen Herzinfarkt in Folge eines zu hohen Cholesterinspiegels erlitt. Ab welchem Zeitpunkt kamen – neben der eigenen Gesundheit – auch das Tierwohl sowie die gravierenden negativen Auswirkungen der industriellen Massentierhaltung als Triebfedern hinzu?
„Das kam sehr schnell hinzu, weil ich mich automatisch mit dem Gesamtbild beschäftigt habe … mit der industriellen Fleischproduktion und ihren Auswüchsen. Ich habe Videos gesehen. Das prägt die Entscheidung, dem Fleischkonsum, aber eben auch allen tierischen Produkten, die ja meist aus der gleichen Fabrik kommen, „Lebewohl“ zu sagen.“

Wie wichtig sind für die Gerichte, die Sie kreieren, die Zutaten aus natürlichem Anbau und nachhaltiger Herstellung?
„Wo immer es geht, achte ich darauf! Gerade wenn man aus ethischen Gründen die Ernährung entsprechend gestaltet, gehören auch der Respekt zur Natur, zum Boden und nicht zuletzt zum unabhängigen Erzeuger untrennbar dazu. Deswegen ist es wichtig, dass wir durch eine höhere Nachfrage – vor allem bei kleineren Herstellern – dafür sorgen, dass ´Bio´ bald nicht mehr teurer ist, sondern zum Standard wird. Was ich heute esse, verändert morgen die Welt!“

Sie leben davon, sich ausgiebig um die (eigene) Ernährung und Fitness zu kümmern. Welche Tipps aber gibt es für „Otto Normalverbraucher“. Vegane Ernährung gilt als ´kompliziert´ und ´teuer´?
„Das Angebot ist inzwischen enorm gewachsen, das macht es deutlich einfacher. Mit ein wenig Information ist es nicht mehr so kompliziert. Ansonsten kann ich nur empfehlen, wieder selbst zu kochen, sich Zeit zum Essen zu nehmen und bewusst zu genießen. Es ist einfacher als man glaubt!“

Ihre Bekanntheit haben Sie nicht nur dem Erfolg Ihrer Bücher zu verdanken, sondern auch so mancher Boulevard-Schlagzeile? Entspringen die Ihrer Impulsivität oder einem PR-Kalkül?
„Zu 90 Prozent entsteht mein Handeln aus meinen Emotionen. Ich hasse Ungerechtigkeit, dann reagiere ich sogar explosiv. So wie bei einer unsachlichen und respektlosen Restaurant-Kritik vor ein paar Monaten. Nicht wegen mir, sondern in erster Linie meinen Mitarbeitern gegenüber. Daraus entstand schließlich ein Journalisten-Event in meiner Snackbar – und ein provokanter PR-Gag. Das waren dann die restlichen 10 Prozent.“

Dennoch vertreten Sie keine dogmatischen Ansichten?
„Ich will Menschen dazu inspirieren, bewusster, gesünder und für unseren Planten nachhaltiger zu leben. Aber als überzeugter Veganer erreiche ich nichts, wenn ich mich auf ein Podest stelle, mich moralisch erhebe und Fleischesser verteufle. Ich freue mich über jeden, der seine Ernährung komplett auf vegan umstellt – aber auch über jeden, der es, gerne in meiner Snackbar, einmal ausprobiert. Jedes Essen zählt! Wir sollten einfach stärker darüber nachdenken, wie unsere Ernährung die Umwelt und uns beeinflusst, und welche Alternativen es gibt.“

Buchtipp: Vegan for Fit Gipfelstürmer
In Zukunft werden Menschen, die abnehmen wollen, nicht mehr einfach alle die gleichen Portionsgrößen und Nährstoffe bekommen. Mittels eines kostenlosen Internet-Rechners, der das Buch online ergänzt, werden bei Attila Hildmann individuelle Bedarfsmengen, Körpergröße, Alter, Gewicht, Beruf und Bewegungsprofil berücksichtigt und sogar die individuellen Einkaufslisten automatisch erzeugt. So kann jedermann in 7 Tagen ohne langes Rechnen bis zu 4 Kilo abspecken und gleichzeitig einen maximalen gesundheitlichen Nutzen erzielen. Mehr Informationen zum Buch unter www.attilahildmann.de.

Vegan for Fit Gipfelstürmer – Die 7-Tage-Detox-Diät, 160 Seiten
ISBN 978-3-95453-131-8, 19,95 EUR, Becker Joest Volk Verlag

Bildquelle: Becker Joest Volk Verlag
Posted in Finespezial By

Britta Balling