Mit dem Krabbeln fängt es an – die Lust des Menschen sich fortzubewegen. Später kommen noch die Füße dazu – und damit auch der Spaß am Laufen oder Rennen.

Was genau ist im sportlichen Bereich der Unterschied zwischen Joggen und Laufen? Eine fixe Definition gibt es nicht, oft werden die Begriffe synonym verwendet. Joggen kommt aus dem englischen Sprachgebrauch und heiß „trotten“. In der Deutschen Laufverordnung steht: über 6.0 Min./km ist Laufen und unter 6.0 Min./km ist Joggen. Wie dem auch sei, als Hobbyläufer steht der Spaßfaktor an erster Stelle.



„Wir joggen für unser seelisches und körperliches Wohlbefinden und nicht, um anderen zu zeigen, dass wir die schnellsten, besten und größten Läufer sind“, meint Prof. Dr. Ulrich Bartmann, der unter anderem Lauftherapeut ist und zahlreiche wissenschaftliche Publikationen dazu veröffentlicht hat. Demnach wirkt Laufen zur Behandlung und Vorbeugung psychischer Probleme und Belastungen wie Stress, Ängste und Depressionen. Wenn die Schuhsohlen den feuchten Waldboden berühren und frische Luft in die Lunge strömt, erste Sonnenstrahlen am Morgen uns verheißungsvoll auf den Alltag vorbereiten – dann fruchtet eine geniale Work-Life-Balance.



Gemeinsam Ziele zu erreichen und über sich hinauszuwachsen, stärkt das „Wir-Gefühl“ einer Gruppe und dafür eignen sich sogenannte Firmenläufe. Für alle, die erst noch vom Laufvirus infiziert werden müssen, kann eine Laufgruppe zur Motivation hilfreich sein. Zur Marathonvorbereitung lohnen angeleitete Lauftreffs von Profis, um den Wettkampf optimal bestreiten zu können. Geeignete Bekleidung und Schuhe sind ein Teil des Ganzen, gezielte Trainingseinheiten und die Abklärung körperlicher Probleme, weitere ernst zu nehmende Aspekte. Nicht jeder ist nämlich so ein Phänomen wie Abebe Bikila – der äthiopische Marathonläufer gewann 1960 Olympisches Gold in dieser Disziplin und bestritt die Strecke dabei komplett barfuß.

„Es gibt nicht viel, was so sehr verändert, wie das Laufen!“
NACHGEFRAGT BEI LAUFTRAINER JAN DIEKOW




Jan Diekow ist Inhaber der Firma Laufstil (www.laufstil.de). Der ausgebildete Physiotherapeut ist selbst leidenschaftlicher Läufer, ambitionierter Triathlet und Lauftrainer. Er weiß deshalb ganz genau, wie er Sportler mit der richtigen Ausrüstung und durch gezielte Trainingseinheiten optimal unterstützen kann.

Was fasziniert Dich am Laufen?
„Das Faszinierende am Laufe ist vor allem die ‚Einfachheit’, die Fortbewegung aus eigener Kraft ohne wirkliche Hilfsmittel und man kann es überall tun, durch die Stadt, zur Arbeit, durch die Natur, auf jeden Kontinent und zu jeder Zeit!“

Wie motivierst Du Anfänger?
„Mit einem neuen Leben! Es gibt nicht viel, was so sehr verändert, wie das Laufen. Nicht nur den Körper und die Fitness, auch der Geist und das Selbstwertgefühl bekommen einen riesen Schub. Dafür lohnt es sich ab und zu den Schweinehund zu besiegen, und wenn man es richtig angeht, wird es irgendwann zu einem Genuss und vielleicht auch mit Erfolgen belohnt.“

Zu dick oder zu alt zum Laufen, sind das Argumente? Wie motiviert man sich selbst?
„Am besten motiviert natürlich ein Ziel oder eine Laufgruppe. Es sollte nur ein realistisches Ziel sein und die Gruppe vom Leistungszustand zu einem passen. Für Laufen ist man nie zu alt, aber je nach Gewicht kann es sicher auch erst einmal ratsam sein, wenn man mit gelenkschonenderen Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walken beginnt, um erst einmal ein paar Kilos zu verlieren. Laufen schadet den Gelenken nicht, man sollte nur mit der richtigen Technik und den richtigen Schuhen unterwegs sein.“

Gibt es Empfehlungen für die perfekte Laufkleidung?
„Es gibt schon sehr unterschiedliche Schuhe in Form und Aufbau, deshalb sollte man sich dabei gut beraten lassen. Dazu ist es wichtig, dass der jeweilige Laufstil analysiert wird und damit festgestellt werden kann, welche Art von Dämpfung oder Stabilität besser zu einem passen. Bei den Klamotten sind atmungsaktive Stoffe, die Nässe regulieren, wichtig, und man sollte sich wohlfühlen.“

Auf was muss man vor und nach dem Lauftraining achten?
„Man sollte nicht zu viel und zu kurz vor dem Training essen und wenn auch eher leichtere Mahlzeiten. Gerade wenn man aus einer sitzenden Tätigkeit kommt, ist ein kurzes Aufwärmen und Dehnen sicher nicht verkehrt und danach gerne nochmal.“

Gibt es Tipps und Tricks für einen raschen Trainingserfolg?
„Grundsätzlich braucht jeder Ausdauersport seine Zeit, weil es vor allem darum geht, sich erst einmal die richtigen Grundlagen zu erarbeiten. Eine gute Rumpfstabilität und allgemeine Fitness trägt zu einem schnelleren Lauferfolg bei, weil man dadurch auch häufiger und länger trainieren kann. Vor allem beugt es Überlastungen und Verletzungen vor, die immer wieder den Trainingsfortschritt bremsen könnten. Oft kann auch eine entsprechende Ernährung den Trainingserfolg steigern.“

Wer ist beim Laufen ehrgeiziger, Frauen oder Männer?
„Ich denke, dass Männer eher die Wettkämpfer sind und Frauen besser genießen können, aber in Sachen Durchhaltevermögen sind die Frauen glaube ich deutlich vorn!“

Wie hast Du Dich gefühlt, als Du das erste Mal bei einem Marathon ins Ziel gekommen bist?
„Ich war so kaputt, dass ich einfach nur glücklich war, nicht mehr weiter laufen zu müssen. Ehrlich gesagt, hatte ich es mir nicht so hart vorgestellt auf den letzten Kilometern.“

„Es sind nicht unsere Füße, die uns bewegen, es ist unser Denken.“ - Chinesisches Sprichwort