Düfte - wie sie uns beeinflussen

13.06.2019 11:01:57

Grenouille aber roch alles wie zum ersten Mal. Und er roch nicht nur die Gesamtheit dieses Duftgemenges, sondern er spaltete es analytisch auf in seine kleinsten und entferntesten Teile und Teilchen. (Aus Patrick Süßkind „Das Parfum“)

Die Natur verwöhnt uns dieser Tage mit einer bunten Blütenpracht. Aber können wir die Facetten des Frühlings auch riechen? Und stimmt die Redensart „Es liegt Ärger in der Luft“? Ja! Wenn wir die Nase richtig schulen, und lernen, bewusst all unsere Sinne und Wahrnehmungen miteinander zu verknüpfen, steht dem nichts im Wege.



Liebe geht durch die Nase
Das stimmt! Wir erkennen Menschen tatsächlich am Körpergeruch und dieser ist oft entscheidend, ob wir jemanden leiden oder gar lieben können oder nicht. Allein die Ausdünstung des getragenen T-Shirts der Partnerin oder des Partners erzeugt das verliebte Kribbeln. Und manchmal gibt uns dieses Phänomen Rätsel auf, da wir nicht erklären können, weshalb wir einen Menschen „nicht riechen können“. Die Wissenschaft sagt, Schuld sind Botenstoffe (Duftstoffe), die in winziger Dosis durch die Lüfte schwirren und den Kopf verwirren. Diese nennen sich Pheromone und gelangen schließlich in das für den Geruchssinn zuständige Gehirnteil. Dort senden sie dann Informationen, die unser Verhalten beeinflussen. Konzentriert man sich alleinig auf das Zusammenspiel von der Geruchswahrnehmung und Intuition, stellt sich heraus, dass wir ebenso fühlen, ob jemand zu uns passt. Die Nase ist also ein geniales Naturwunder!

Der Geruch von Heimat und Kindheit
Der Duft einer Rose, von Bratkartoffeln mit Ei, von süßem Parfum - sofort denken wir an eine Person oder ein Erlebnis zurück. Ein jeder hat seinen ganz persönlichen Geruch, den er mit der Heimat oder Kindheit in Verbindung bringt. So kann der Duft von gemähten Gras einen in die Kindheit auf dem Land versetzen, obwohl man gerade durch den Stadtpark schlendert. Gerüche lösen also Erinnerungen aus, aber warum ist das so? „Der Mensch riecht Riechbares nicht, ohne ein Gefühl des Unangenehmen oder Lustvollen zu empfinden“, wusste bereits der griechische Philosoph Aristoteles. Gerüche geraten also gewissermaßen ungefiltert in das limbische System. Sie verbinden sich, bildlich gesprochen, unmittelbar mit Gefühlen und haben deshalb eine bessere Chance, im Gedächtnis zu bleiben. Das ist evolutionär durchaus sinnvoll: Der Gestank von fauligem Fleisch konnte schon unsere Vorfahren an die letzte Magenverstimmung erinnern und vom Verzehr abhalten.



Riechen und Schmecken – wie hängt das zusammen?
Die Nase schmeckt mehr als die Zunge. Wer verschnupft ist, kennt das Problem: Die Lieblingsschokolade riecht nicht nur neutral, sie schmeckt auch noch fade. Auf der Zunge befinden sich zahlreiche Geschmackspapillen, ebenso im Gaumen und im Nasenrachen. Ausgestattet sind die Papillen mit mehreren tausend Geschmacksknospen, die Geschmacksporen enthalten. Obwohl das so viele sind, kann der Mund nur zwischen süß, sauer, salzig, bitter und umami (fleischig, würzig) unterscheiden. Für eine Geschmacksexplosion braucht es also die Feinarbeit der Millionen Riechzellen der Nase. Wir riechen das Essen beim Kauen und über den Geruch entscheiden wir auch, ob uns das Gericht schmeckt oder nicht. Dafür genügt schon der Duft aus dem Kochtopf, der uns in die Nase steigt. Eine weitere Besonderheit ist die gute Flasche Wein aus dem Süden, die wir nach dem Urlaub im heimischen Garten genießen möchten. Plötzlich schmeckt der edle Tropfen ganz anders, als noch vor einer Woche in der lauen, sternenklaren Nacht am Meer. Auch hier wirken unterschiedliche Düfte aus der Luft auf den Geschmack.



Besser riechen lernen, so geht’s!
Ein tägliches Training kann die Nase verbessern, weil sich die Riechsinneszellen ständig regenerieren. Mit einem gezielten Training lässt sich die Neubildung der Sinneszellen anregen und so können die Geruchsinformationen im Gehirn besser ausgewertet werden. Das Gehirn wird also sensibler und kann mit der Zeit immer feinere Nuancen unterscheiden.



Das benötigst Du für Dein Training:
• Vier verschiedene, intensiv riechende Duftstoffe zum Üben wählen. Vorschlag: Kaffee, Zwiebeln, Gewürznelken und ätherisches Öl in den Duftrichtung Rose, Eukalyptus oder Limone. Je intensiver der Geruch, desto besser für das Training.
• Einmachgläser, in denen Du die Duftproben gut verschlossen aufbewahren kannst.
• Täglich zehn Minuten Zeit (circa vier Wochen lang), um zweimal (morgens und abends) für 15 Sekunden an jeder Probe zu schnuppern. Dabei gilt: Genau auf den Duft konzentrieren und sich ein Bild dazu vorstellen. Zum Beispiel einen Rosengarten für das Rosenwasser, denn wenn Gerüche und Gedanken verknüpft sind, merkt sich das Gehirn den Geruch besser.

Tante Fine Tipp: Keine tiefen Atemzüge nehmen, sondern schnuppere lieber zügig an den Proben, das ist effektiver. Viel Spaß beim Entdecken der Geruchsvielfalt.
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Britta Balling